Schlangen »Zur richtigen Zeit vorgesorgt«

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Die Schlänger Bauamtsleiterin Gabriele Müller-Schaffranietz und Leerstandsmanagerin Friederike Lülff (rechts) arbeiten Hand in Hand. Müller-Schaffranietz übermittelt Lülff regelmäßig die Leerstände der Gemeinde. Foto: Jaqueline Patzer

Schlangen (WB). Der demografische Wandel hat weitreichende Folgen. Am offensichtlichsten sind die vielen Leerstände in ländlichen Regionen. In Schlangen sind die Auswirkungen noch nicht stark zu spüren, trotzdem hat sich die Gemeinde dem Projekt Leerstandsmanagement Lippe angeschlossen. »Genau zur richtigen Zeit«, meint Friederike Lülff.

Die 28-Jährige ist die einzige fest angestellte Leerstandsmanagerin in der gesamten Bundesrepublik. Beauftragt wurde sie von acht lippischen Kommunen, die sich im Norden und im Süden Lippes zusammengeschlossen haben, um ein integriertes ländliches Entwicklungskonzept – kurz Ilek – zu erarbeiten, sowie dem Kreis Lippe.

Die Aufgabenstellung von Friederike Lülff lautet nun: Wie kann verhindert werden, dass ein Ort brach fällt und in der Theorie so zurückgebaut werden kann, dass er nicht seine Identität verliert? Für zunächst drei Jahre soll sie das wachsende Problem des demographischen Wandels mit all seinen siedlungs- und städtebaulichen Facetten begleiten und Lösungsansätze entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Leerstandsdatenbank im Internet, die von ihrer Vorgängerin Hannelore Brüning für die Region Südlippe angelegt wurde.

»Schlangen geht es, was die Leerstände und die Einwohnerzahlen angeht, noch gut. In Nachbargemeinden etwa sieht es schon anders aus«, sagt Lülff. Dort ist schon der Ansatz einer »Donut-Stadt« sichtbar: »Im Kern sind Häuser und Ladenflächen leer und die Menschen wohnen in Neubauten am Stadtrand. Das Zentrum verlagert sich und die historischen Innenstädte verfallen. Das darf nicht passieren.« Die Gemeinde Schlangen könne dieser Entwicklung dank des rechtzeitigen Einstiegs in das Programm optimal entgegenwirken. »Schlangen profitiert von seiner Nähe zu Paderborn. Viele Menschen wohnen hier, arbeiten aber in der Stadt. Die günstigen Mieten, die ruhige Lage und die Umgebung locken die Leute«, beschreibt Friederike Lülff die Vorzüge der kleinen Gemeinde.

Dies sei aber nur ein Grund, warum derzeit nur fünf Gebäude in Schlangen in der Datenbank verzeichnet sind. Insgesamt seien derzeit 84 leerstehende Wohnhäuser im Internetangebot zu finden. Von den Kommunen seien aber fast 500 Immobilien gemeldet. »Ich muss die Eigentümer ausfindig machen, sie anschreiben und ihr Einverständnis einholen, bevor ich Gebäude in die Datenbank aufnehmen kann. Doch leider antworten viele Eigentümer nicht«, beschreibt Lülff ein Problem. Doch sie bleibe hartnäckig. »Das Angebot ist kostenlos. Es spricht auch nichts dagegen, Häuser die zum Verkauf stehen, sowohl in unserer Datenbank, als auch bei Maklern einzustellen.« Doch nicht immer sei ein Verkauf die optimale Lösung. Auch ein Abriss – für den es Prämien gibt – sei oftmals denkbar. »Wir erarbeiten gerade ein Konzept, bei dem Hauseigentümer und Kommunen neue Förderungsmöglichkeiten und Perspektiven eröffnet werden sollen. In naher Zukunft sollen auch Ladenlokale in die Datenbank aufgenommen werden. »Geschäfte sind wirtschaftlich betrachtet wichtiger, stehen sie aber neben einem alten, leerstehendem Haus, ist es schwieriger, hier einen neuen Pächter zu finden«, erklärt die Leerstandsmanagerin.

Eigentümer und Interessenten können sich bei Friederike Lülff beim Blomberger Stadtmarketing, Neue Torstraße 25, Telefon: 05235/5099872, melden. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.leerstandsmanagement- lippe.de

Quelle
www.westfalen-blatt.de