Acht Gemeinden kämpfen gegen die Verödung von Gebäuden

Friederike Lülff kümmert sich um Leerstände wie das Haus Neue Torstraße 42 in Blomberg. | Foto: Schwarzer

Friederike Lülff kümmert sich um Leerstände wie das Haus Neue Torstraße 42 in Blomberg. | Foto: Schwarzer (LZ)

Acht Gemeinden kämpfen gegen die Verödung von Gebäuden Leerstandsmanagerin Friederike Lülff stellt ihre Arbeit in Blomberg vor.

Blomberg. Neues Leben in alter Bausubstanz: Das ist das Ziel der acht lippischen Kommunen, die in Zusammenarbeit mit dem Kreis Lippe ein Leerstandsmanagement aufbauen. Die LZ sprach mit Managerin Friederike Lülff über ihre Arbeit.

Die studierte Stadt- und Regionalplanerin sitzt seit einem halben Jahr in der Geschäftsstelle von Blomberg Marketing an der Neuen Torstraße. Die 27-Jährige hat in Kassel studiert. Die Stelle ist auf drei Jahre ausgelegt.

Frau Lülff, was haben Sie eigentlich im vergangenen halben Jahr gemacht?

Friederike Lülff: Ich habe damit begonnen, die Leerstände in Dörentrup, Extertal und Barntrup aufzunehmen. Für den lippischen Südosten hat meine Vorgängerin Hanne Brüning bereits die Datenbank begonnen.

Welche Informationen tragen Sie für das Profil der Häuser im Internet zusammen?

Lülff: Das geht von der Lage über die Größe des Gebäudes bin hin zur Nutzfläche und zur Heizung.

Also das, was ich auch in einer Immobilienanzeige finden würde.

Lülff: Ja, aber nicht nur: Dies ist kein Immobilienmaklerbüro, ich mache mir auch Gedanken über Nutzungsmöglichkeiten und lasse sie ebenso ins Profil einfließen wie die rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise die Frage nach dem Bebauungsplan.

Da kommen Sie dann als Stadtplanerin ins Spiel. Woher bekommen Sie eigentlich Ihre Informationen?

Lülff: Ich arbeite sehr eng mit den acht Kommunen zusammen und bekomme Daten von den Einwohnermeldeämtern und den Bauämtern.

Wie gehen Sie dann mit der Leerstandsliste um?

Lülff: Ich schreibe erst einmal die Eigentümer an. Denn ohne deren Erlaubnis darf ich das Haus nicht aufnehmen.

Und, wie ist bisher der Rücklauf ausgefallen?

Lülff: Noch nicht ganz zufriedenstellend. Ich sage Ihnen mal ein Beispiel: Bei einer Liste von 30 Leerständen in einer Gemeinde habe ich 24 Eigentümer angeschrieben – bei sechs Objekten muss ich erst eine Adresse ausfindig machen. Von diesen 24 waren nur zwei bereit, das Haus in die Datenbank aufnehmen zu lassen. Das ist leider kein Ausreißer. Die Zurückhaltung ist überall noch groß.

Nur 2 von 24? Aber Ihr Angebot ist doch komplett kostenlos und nur von Vorteil für die Eigentümer. Warum diese Zurückhaltung?

Lülff: Die Leute sind erst einmal skeptisch. Darum ist es so wichtig, dass Lokalpolitiker in den beteiligten Kommunen dahinter stehen und als Multiplikatoren dienen.

Kommen denn eigentlich auch Hauseigentümer von sich aus auf Sie zu?

Lülff: Ja, das passiert seit November sogar verstärkt. Ich glaube, das liegt unter anderem daran, dass wir jetzt bei der Google-Suche auf der ersten Seite auftauchen.

Wenn ich das Ganze richtig verstehe, sind zur Zeit noch keine Ladenlokale in der Datenbank zu finden, oder?

Lülff: Ja, wir haben uns erst einmal auf komplett leer stehende Gebäude konzentriert. Ladenlokale sollen auf kurz oder lang hinzukommen.

Halten Sie es nicht für einen Fehler, dass die Gemeinden nicht mit den Ladenlokalen angefangen haben?

Lülff: Nein. Wirtschaftlich betrachtet mögen Ladenlokale wichtiger erscheinen. Aber wenn ein Laden neben einem verfallenden Haus steht, wird sich hier kaum ein neuer Pächter finden.

Die acht Kommunen sind ja echte Vorreiter auf dem Gebiet des Leerstandsmanagements. Kriegen Sie auch Anfragen von außen?

Lülff: O ja, dies ist ein absolutes Vorzeigeobjekt. Ich wurde schon oft gebeten, das Projekt außerhalb Lippes vorzustellen. Im Dezember habe ich der Hessenagentur ein Interview gegeben, die einen Leitfaden für die hessischen Bürgermeister erstellen will. Dort gibt es das nämlich noch nicht.

Fühlen Sie sich manchmal nicht auf verlorenem Posten?

Lülff: Nein. Ich bin ganz froh, die Dinge auf meine Art machen zu können, und die Zusammenarbeit mit den Partnerkommunen ist ganz toll.

Quelle:

www.lz.de